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Am Tatort ist ein 2010 in Halle (Deutschland) realisiertes Projekt.

Seit der deutschen Wiedervereinigung und dem Fall der Mauer vor mehr als 20 Jahren verlor Halle — eine Stadt, die sich im Osten Deutschlands befindet und in der früheren Deutschen Demokratischen Republik, DDR (einem ehemaligen sozialistischen Staat) gelegen war — fast die Hälfte ihrer Einwohner.
Nach der Wiedervereinigung büßte die frühere DDR, da sie mit der fortgeschrittenen okzidentalen Industrie nicht mithalten konnte, ihre komplette industrielle Konkurrenzfähigkeit ein. Ein großer Teil der deutschen ex-sozialistischen Industrie stellte ihre Produktion ein, sodass viele Arbeiter ihre Arbeit verloren. Nichtsdestotrotz etablierte sich ab diesem Zeitpunkt eine freie Reisepolitik zwischen Ost- und Westdeutschland, weshalb viele Familien und junge Menschen meist auf der Suche nach neuen Möglichkeiten im Westen, den Osten verließen.

Gravo-Druck, Halle.

Der Osten Deutschlands verlor seit 1991 15% ihrer Bevölkerung — eine Tatsache, die bis zum heutigen Tag ein Problem darstellt.
So kommt es, dass man in dem gesamten ehemaligen DDR-Gebiet, mit Ausnahmen wie Berlin, vielerlei leerstehende Häuser vorfinden kann, die damals von jenen Familien verlassen wurden, die Anfang der 90er Jahre auszuwandern begannen.
Im Jahr 2002 schätzte ein Experten-Komitee die Anzahl der leerstehenden Wohnungen auf eine Million ein. Des Weiteren wurden zwischen 2002 und 2012 300.000 verlassene Wohnungen demoliert.


Eingriff in leerstehendem Gebäude, Halle. 2010
Koordinaten: 51.497912, 11.955850


Ausgangspunkt für dieses Projekt waren Fotografien von Wohnräumen in Halle von zwischen 1949 und 1990, die an den Wänden von in demselben Zeitraum verlassenen Gebäuden nachgestellt wurden.
Am Tatort ist eine Metapher, welche die Erinnerung jener Wohnräume und Familien wiederherstellt, die alles hinter sich ließen. Es stellt eine Art und Weise dar, jene Leere zu füllen, die Städte wie Halle durch unbewohnte sowie leblose Häuser und Viertel mit einer apokalyptischen Atmosphäre behaftet.


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Dieses Projekt wurde erstmalig im Jahr 2010 auf dem Festival „Stadt, Spiel, Vision“ in Halle (Deutschland) gezeigt — einem Festival sozialen Charakters, das mittels Kunstprojekten die Nutzung städtischer, verlassener und verwahrloster Räume in dem Glaucha-Viertel wieder aufwarf.

Am tatort
Am Tatort

Fotografien von Wohnräumen in Halle zwischen 1949 und 1990 (links) / Eingriff in leerstehenden Gebäuden (rechts)
Koordinaten: 51.496091, 11.980911